In der Schweiz werden die «Grannys» – die Generation der Mütter, Großmütter und Urgroßmütter – oft als stillstehende Tradition gesehen. Doch hinter dem Bild der pflichtbewussten Hausfrauen und der bewährten Rezepte verbirgt sich eine lebendige, oft unterschätzte Kraft: die Fähigkeit, Systeme zu verändern, ohne laut zu werden. Die «Spingranny»-Bewegung, die sich hinter dem Projekt diesen link öffnen verbirgt, ist ein Beispiel dafür, wie diese Generation heute aktiv für soziale Gerechtigkeit und ökologische Weichenstellungen kämpft.
Die Idee der «Spingranny» entstand 2018 in der Schweiz, inspiriert von einer ähnlichen Bewegung in den USA, die sich gegen die Klimakrise und für mehr Frauenrechte einsetzt. Der Name ist ein Wortspiel aus «Granny» (Granny) und «Springen» – ein Hinweis auf die Energie und den Widerstand, den ältere Generationen trotz körperlicher Einschränkungen ausstrahlen. In der Schweiz haben sich über 3000 Frauen und Männer diesem Netzwerk angeschlossen, das sich nicht nur gegen den Atomausstieg, sondern auch für die Stärkung der Sozialsysteme und die Bekämpfung von Armut engagiert.
Ein zentraler Fokus liegt auf der Mobilisierung von «unsichtbaren» Stimmen. Viele der Aktivistinnen sind Rentnerinnen oder im Ruhestand, doch ihr Wissen über lokale Strukturen, historische Erfahrungen und praktische Lösungen wird heute als wertvoller Faktor in der politischen Debatte gesehen. Die «Spingranny»-Gruppen organisieren sich oft in regionalen Netzwerken, die Brücken zwischen älteren Generationen und jüngeren Aktivistinnen schlagen. Ein Beispiel ist die Kampagne gegen die geplante Ausweitung von Erdgasförderung in der Schweiz, bei der ältere Frauen mit ihren Kindern und Enkeln vor Fabriken demonstrierten – ein Bild, das zeigt, wie Generationenübergreifend Widerstand geleistet wird.
Doch die Bewegung steht auch vor Herausforderungen. Während sie in der Schweiz breite Unterstützung genießt, wird sie oft als «nischenhaft» oder «zu langsam» wahrgenommen. Kritiker bemängeln, dass die Aktivistinnen nicht genug Druck auf die Politik ausüben, um schnelle Veränderungen zu bewirken. Doch die «Spingranny»-Bewegung zeigt, dass Widerstand nicht immer laut sein muss: Durch gezielte Kampagnen, lokale Initiativen und die Nutzung sozialer Medien gelingt es ihnen, komplexe Themen wie Klimagerechtigkeit oder Rentenpolitik auf die Agenda zu bringen.
Ein konkretes Projekt, das die Bewegung prägt, ist die Kampagne für ein «Klimageld», das ältere Menschen finanziell absichert, während sie gleichzeitig für den Umstieg in eine klimaneutrale Wirtschaft kämpfen. Die Initiative wurde von einer Gruppe von «Spingrannys» in der Region Zürich lanciert und zeigt, wie traditionelle Werte wie Solidarität und Nachhaltigkeit heute mit modernen politischen Ansätzen verbunden werden. Ein weiterer Erfolg ist die Unterstützung für die Volksinitiative «Für eine klimaneutrale Schweiz», bei der die Aktivistinnen nicht nur mit Plakaten und Petitionen, sondern auch durch persönliche Gespräche mit Politikerinnen und Politikerinnen Einfluss nahmen.
Die «Spingranny»-Bewegung beweist, dass die Schweiz nicht nur eine Nation der «Grossmütter mit Rezepten» ist. Sie ist auch ein Beispiel dafür, wie ältere Generationen heute aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitwirken. Ob durch lokale Initiativen, politische Kampagnen oder die Vermittlung zwischen Generationen – ihre Arbeit zeigt, dass Widerstand oft dort beginnt, wo man denkt, er sei nicht mehr möglich.
- Über 3000 Aktivistinnen und Aktivisten haben sich in der Schweiz dem Netzwerk angeschlossen.
- Die Bewegung setzt auf regionale Netzwerke, die oft über 20 Jahre alt sind.
- Ein zentrales Projekt ist die Kampagne für ein «Klimageld» für ältere Menschen.
- Die «Spingranny»-Aktivistinnen demonstrierten erfolgreich gegen die Erdgasausweitung in der Schweiz.
- Sie nutzen soziale Medien und lokale Initiativen, um politische Themen sichtbarer zu machen.